KI & Arbeitsweise

KI-Aufgaben automatisch steuern: Wie Kosmos.Agenda meine Codex-Agenten koordiniert

Codex kann eine Aufgabe selbstständig analysieren, Code verändern, Tests ausführen und Fehler korrigieren. Trotzdem bleibt ein Problem bestehen: Irgendjemand muss entscheiden, welche Aufgabe als Nächstes bearbeitet wird, ob sie überhaupt freigegeben ist, was bei einem Fehler passiert und wann ein Ergebnis als abgeschlossen gelten darf.

Je mehr Arbeit ich an KI-Agenten übergebe, desto weniger möchte ich diese Steuerung über einzelne Chats organisieren.

Genau dafür habe ich Kosmos.Agenda gebaut.

Agenda ist keine klassische Aufgabenliste, in der ich lediglich offene Punkte abhake. Für mich ist es die Orchestrierungsschicht zwischen meinen Entscheidungen und den Agenten, die anschließend technische Arbeit ausführen.

Innerhalb von Kosmos übernimmt Agenda damit einen völlig anderen Aufgabenbereich als beispielsweise Argos oder Puls, obwohl die Ergebnisse später gemeinsam in Kompass sichtbar werden können.

Eine Aufgabe beginnt bei mir häufig außerhalb von Codex

Viele größere Änderungen entstehen zunächst im Gespräch mit ChatGPT. Ich entwickle eine Idee, lasse Gegenfragen stellen, kläre Sonderfälle und arbeite mich so weit in das Thema hinein, bis daraus eine ausreichend genaue Spezifikation entstanden ist.

Die Qualität dieser Aufgabenbeschreibung ist für mich inzwischen wichtiger als der eigentliche Prompt, mit dem Codex später startet.

Bei größeren Konzepten soll daraus nicht zwingend ein einzelner großer Auftrag werden. Codex kann die Spezifikation analysieren und daraus mehrere sinnvolle Agenda-Aufgaben erzeugen.

Damit verschiebt sich der Ablauf von „Ich sage Codex, was es jetzt tun soll“ hin zu „Ich bereite Arbeit vor, die anschließend kontrolliert abgearbeitet werden kann“.

Diese Trennung ist entscheidend für meine Vorstellung von Automatisierung.

Freigabe bleibt eine menschliche Entscheidung

Agenda soll Aufgaben nicht einfach ausführen, sobald sie irgendwo im System auftauchen.

Ich möchte vorbereitetes Arbeiten von freigegebenem Arbeiten unterscheiden können. Eine Aufgabe darf vollständig beschrieben, analysiert und technisch ausführbar sein, ohne dass ich deshalb bereits entschieden habe, dass sie jetzt umgesetzt werden soll.

Erst meine Freigabe macht aus der vorbereiteten Aufgabe einen echten Arbeitsauftrag.

Das ist einer meiner wichtigsten Human Gates.

Codex soll bei mir nicht selbst entscheiden, woran es arbeitet. Innerhalb einer freigegebenen Aufgabe darf der Agent große technische Freiheit besitzen, aber Priorität und grundsätzliche Ausführung bleiben bei mir.

Diese Grenze erlaubt mir deutlich mehr Automatisierung, weil ich nicht bei jedem technischen Schritt eingreifen muss.

Ein Agent braucht mehr als den Zustand offen oder erledigt

Eine klassische To-do-Liste kommt häufig mit wenigen Zuständen aus. Für automatisierte Agentenarbeit reicht das nicht.

Eine Aufgabe kann vorbereitet sein, auf Freigabe warten, zur Ausführung bereitstehen, gerade von einem Agenten bearbeitet werden, auf eine Entscheidung warten, bei einem Test gescheitert sein oder nach einem technischen Problem erneut gestartet werden müssen.

Solche Zustände müssen maschinenlesbar und eindeutig sein.

Nur dann kann ein Agent entscheiden, welche Arbeit er übernehmen darf, während Kompass gleichzeitig verständlich anzeigen kann, was gerade passiert.

Für mich ist das ein wesentlicher Unterschied zwischen einer Aufgabenverwaltung und einem Orchestrierungssystem.

Agenda verwaltet nicht nur, was zu tun ist, sondern auch, in welchem Zustand sich die Bearbeitung befindet.

Heartbeats zeigen, ob ein Agent noch arbeitet

Sobald Prozesse über längere Zeit automatisch laufen, entsteht ein neues Problem: Ein System kann offiziell noch „in Bearbeitung“ sein, obwohl der eigentliche Agent längst abgestürzt ist.

Agenda arbeitet deshalb mit Heartbeats.

Ein laufender Prozess signalisiert regelmäßig, dass er noch aktiv ist. Bleibt dieses Signal aus, kann Agenda erkennen, dass die Bearbeitung wahrscheinlich nicht mehr ordnungsgemäß läuft.

In meinem aktuellen Konzept erfolgt diese Überwachung in kurzen regelmäßigen Abständen. Wichtig ist dabei weniger das genaue Zeitintervall als das Prinzip: Der Zustand einer Aufgabe darf nicht ausschließlich davon abhängen, ob ein Prozess irgendwann einmal behauptet hat, er hätte angefangen.

Das System muss erkennen können, ob die Arbeit noch lebt.

Chronos ergänzt diese Sicht, indem Ereignisse und technische Abläufe nachvollziehbar protokolliert werden können.

Wiederanläufe gehören zum normalen Betrieb

Automatisierung funktioniert nur dann zuverlässig, wenn ein einzelner technischer Fehler nicht sofort menschliches Eingreifen erzwingt.

Deshalb soll Agenda fehlgeschlagene oder abgebrochene Arbeiten innerhalb klarer Grenzen erneut starten können. Ein temporäres Problem, ein hängen gebliebener Prozess oder ein anderer technisch beherrschbarer Fehler muss nicht automatisch bedeuten, dass ich meinen aktuellen Arbeitsschritt unterbrechen muss.

Gleichzeitig darf daraus keine Endlosschleife entstehen.

Nach einer begrenzten Anzahl erfolgloser Neustarts muss das System aufhören und meine Aufmerksamkeit verlangen.

Diese Grenze ist für mich typisch für gute Automatisierung: Routineprobleme darf das System selbst behandeln, ungewöhnliche oder wiederholt auftretende Probleme gehören zurück zum Menschen.

Abhängigkeiten verhindern falsche Reihenfolgen

Nicht jede Aufgabe kann unabhängig von allen anderen ausgeführt werden.

Eine neue Benutzeroberfläche kann beispielsweise voraussetzen, dass eine zugrunde liegende API bereits existiert. Ein Deployment darf erst stattfinden, wenn Implementierung und Tests abgeschlossen sind. Eine spätere Änderung kann auf Datenstrukturen aufbauen, die eine vorherige Aufgabe erzeugt.

Agenda muss solche Abhängigkeiten verstehen können.

Dadurch entsteht aus einer Aufgabenliste zunehmend ein Arbeitsgraph.

Eine Aufgabe wird nicht nur deshalb bearbeitbar, weil sie freigegeben wurde, sondern auch weil ihre Voraussetzungen erfüllt sind.

Das ist für mich besonders interessant, wenn mehrere KI-Systeme parallel arbeiten, denn dann muss nicht mehr jede Reihenfolge manuell von mir organisiert werden.

Parallele Arbeit braucht zusätzliche Regeln

Wenn mehrere Aufgaben gleichzeitig bearbeitet werden können, entsteht allerdings ein neues Risiko.

Zwei Aufgaben können technisch getrennt erscheinen und trotzdem dieselben logischen Bereiche eines Projekts verändern. Git Worktrees verhindern zwar, dass beide Agenten im selben Arbeitsverzeichnis arbeiten, lösen aber keine fachlichen oder architektonischen Konflikte.

Git allein reicht deshalb für parallele KI-Agenten nicht aus.

Langfristig möchte ich Agenda um logische Arbeitsbereiche erweitern. Eine Aufgabe könnte vor ihrer Ausführung analysieren lassen, welche Teile eines Systems sie wahrscheinlich betrifft, und diese Bereiche für ihre Bearbeitung reservieren.

Damit würde Agenda nicht nur Aufgaben verteilen, sondern auch verhindern, dass mehrere Agenten gleichzeitig an derselben logischen Baustelle arbeiten.

Dieser Teil ist für mich noch Entwicklungsgebiet und keine bereits vollständig gelöste Funktion.

Der Mensch soll nur bei echten Entscheidungen zurückkommen

Mein eigentliches Ziel lässt sich am besten mit dem Gartenstuhl-Test erklären.

Ich möchte eine gut vorbereitete Aufgabe vom Smartphone freigeben können und danach nicht alle paar Minuten kontrollieren müssen, ob Codex einen Buildfehler hatte oder ein Test erneut ausgeführt werden muss.

Solche technischen Schleifen sollen möglichst automatisch stattfinden.

Zu mir zurückkommen sollen Entscheidungen.

Wenn eine Spezifikation unklar ist, eine Architekturentscheidung notwendig wird oder ein Risiko nicht innerhalb der bestehenden Regeln behandelt werden kann, muss der Agent stoppen und fragen.

Das verändert meine Rolle deutlich.

Ich werde weniger zum Bediener eines Coding-Assistenten und stärker zumjenigen, der Ziele, Regeln und Grenzen vorgibt.

Agenda kann mehr als Softwareentwicklung koordinieren

Obwohl Agenda aktuell stark mit meinem Codex-Workflow verbunden ist, ist die zugrunde liegende Idee allgemeiner.

Auch eine Contentproduktion kann aus vorbereiteten, automatisch ausführbaren und freizugebenden Aufgaben bestehen. Infrastrukturarbeiten können ähnliche Zustände besitzen. Andere Kosmos-Anwendungen können ebenfalls Arbeit erzeugen, die anschließend kontrolliert abgearbeitet werden muss.

Damit könnte Agenda langfristig eine gemeinsame Arbeitsschicht für unterschiedliche Arten von Automatisierung werden.

Das ist auch der Grund, warum ich sie nicht als reines Entwicklerwerkzeug innerhalb eines einzelnen Projekts aufgebaut habe.

Sie gehört zu Kosmos.

Automatisierung bedeutet für mich nicht, Entscheidungen loszuwerden

Der langfristig interessanteste Punkt ist für mich nicht, ob Codex immer mehr Schritte alleine ausführen kann.

Technisch ist das beeindruckend, aber für meinen Alltag nicht ausreichend.

Ich möchte vielmehr erreichen, dass meine Aufmerksamkeit nicht mehr für Routinetätigkeiten benötigt wird.

Agenda soll deshalb immer mehr operative Arbeit vom Menschen entkoppeln, ohne gleichzeitig die Verantwortung für wichtige Entscheidungen unsichtbar an einen Agenten zu verschieben.

Genau an diesem Punkt nähert sich mein System einer agentischen Architektur.

Die Agenten erledigen Arbeit.

Agenda koordiniert diese Arbeit.

Und ich entscheide weiterhin, welche Arbeit überhaupt passieren soll und an welchen Stellen die Maschine nicht alleine weitergehen darf.