Urlaub und Selbstständigkeit sind nicht immer die beste Kombination. Wenn man allein arbeitet, gibt es niemanden, der während der eigenen Abwesenheit automatisch die laufenden Themen übernimmt. Ein offenes Entwicklungsproblem bleibt offen, eine notwendige Entscheidung wartet und eine geplante Umsetzung findet schlicht nicht statt, solange man selbst nicht arbeitet.
Gerade bei Softwareentwicklung ist das besonders deutlich. Wer ein Projekt allein entwickelt, muss für viele Tätigkeiten normalerweise tatsächlich am Rechner sitzen. Code entsteht nicht von selbst, Fehler werden nicht automatisch untersucht und ein halb fertiges Feature macht keine Fortschritte, nur weil man gerade am Strand liegt.
Mit meiner heutigen KI-gestützten Arbeitsweise beginnt sich genau das zu verändern.
Mein Ziel ist nicht, im Urlaub möglichst produktiv weiterzuarbeiten. Eigentlich möchte ich das Gegenteil erreichen: Ich möchte so wenig operative Arbeit wie möglich selbst erledigen müssen, während vorbereitete Aufgaben trotzdem weiterlaufen können.
Urlaub bedeutete früher meistens Stillstand oder Laptop
Als allein arbeitender Entwickler gab es früher im Wesentlichen zwei Möglichkeiten.
Entweder ich mache wirklich Urlaub und akzeptiere, dass die Entwicklung in dieser Zeit weitgehend steht.
Oder ich nehme den Laptop mit.
Dann ist man zwar räumlich im Urlaub, aber die Arbeit reist mit. Eine kleine Aufgabe wird schnell zu einer Stunde am Rechner, aus einem kurzen Fehlercheck wird eine halbe Debugging-Sitzung und irgendwann sitzt man an einem Ort, an dem man eigentlich abschalten wollte, wieder vor derselben Entwicklungsumgebung wie zu Hause.
Das ist natürlich kein ausschließlich technisches Problem. Selbstständigkeit bedeutet immer ein gewisses Maß an Verantwortung, das sich nicht vollständig automatisieren lässt.
Trotzdem kann Technik beeinflussen, wie viel konkrete Arbeit dafür nötig ist.
Der entscheidende Teil muss vorher passieren
Meine heutige Konzeptarbeit findet bereits deutlich vor der eigentlichen Umsetzung statt. Größere Themen bespreche ich ausführlich mit ChatGPT, lasse offene Fragen klären und erzeuge daraus möglichst vollständige Spezifikationen.
Genau darin steckt für mich eine interessante Möglichkeit.
Wenn ich vor einem Urlaub mehrere Themen so weit vorbereite, dass die wichtigen fachlichen Entscheidungen bereits gefallen sind, muss ich die eigentliche Umsetzung nicht zwangsläufig ebenfalls vorher erledigen.
Codex kann aus den fertigen Konzepten Aufgaben erzeugen, die anschließend in Agenda liegen und auf ihre Freigabe warten.
Damit kann ich gewissermaßen Arbeit vorplanen, ohne sie sofort ausführen zu müssen.
Mein Ideal wäre: vorbereiten, freigeben, nicht programmieren
Der Gartenstuhl-Test beschreibt denselben Gedanken bereits für meinen normalen Alltag. Im Urlaub wird daraus eine etwas strengere Variante.
Ich möchte nicht den Laptop öffnen und aus dem Hotelzimmer programmieren.
Idealerweise reicht es, über eine abgesicherte Verbindung auf Agenda zuzugreifen, eine bereits vorbereitete Aufgabe auf dem Smartphone zu prüfen und sie freizugeben.
Danach übernimmt Codex die operative Arbeit.
Wenn die Aufgabe sauber spezifiziert wurde, kann Codex die notwendigen Änderungen durchführen, Builds starten und technische Probleme innerhalb der festgelegten Grenzen selbst behandeln.
Meine Tätigkeit beschränkt sich dann im besten Fall auf einen kurzen bewussten Startpunkt.
Das funktioniert nur, wenn Codex nicht alle zehn Minuten eine Frage stellt
Genau hier trennt sich für mich echte Automatisierung von bloßer Fernsteuerung.
Wenn ich vom Strand aus eine Aufgabe freigebe und fünf Minuten später die erste Rückfrage beantworten muss, nach weiteren zehn Minuten einen Testfehler beurteilen soll und anschließend noch manuell ein Deployment vorbereiten muss, habe ich zwar keinen Laptop benutzt, aber trotzdem gearbeitet.
Das ist nicht das Ziel.
Eine Aufgabe muss so vorbereitet sein, dass technische Detailfragen möglichst selbstständig behandelt werden können. Nur wenn eine echte fachliche Entscheidung fehlt oder ein unerwartetes Risiko entsteht, soll sie wieder bei mir landen.
Im Zweifel darf eine Aufgabe auch einfach warten.
Mir ist lieber, dass eine Arbeit im Status „blockiert“ liegen bleibt, als dass eine KI während meiner Abwesenheit eine grundlegende Entscheidung erfindet, die ich anschließend mühsam zurückbauen muss.
Automatisierte Tests werden im Urlaub noch wichtiger
Je weniger ich die Umsetzung selbst begleite, desto wichtiger wird eine verlässliche automatische Prüfung.
Meine automatisierten Tests sollen deshalb gezielt versuchen, Fehler in der Umsetzung zu finden, ohne dass ich jeden einzelnen Prüfschritt selbst beobachten muss.
Wenn ein eindeutiger technischer Fehler entdeckt wird, kann die Aufgabe erneut bearbeitet und anschließend wieder getestet werden. Erst wenn sich ein Problem nicht aus der vorhandenen Spezifikation lösen lässt, brauche ich selbst einzugreifen.
Dieser Punkt ist für mich entscheidend.
Ein Urlaubsprozess darf nicht darauf beruhen, dass ich einfach darauf vertraue, Codex werde schon alles richtig machen. Er muss gerade deshalb möglichst gute automatische Kontrollen besitzen, weil ich nicht ständig daneben sitze.
Auch beim Deployment möchte ich bewusst eingreifen
Für produktive Änderungen möchte ich trotzdem eine Grenze behalten.
Ein automatisiertes Deployment kann vorbereitet werden, aber die tatsächliche Freigabe in Produktion soll weiterhin bewusst von mir kommen.
Auch das kann theoretisch vom Smartphone aus geschehen.
Wichtiger als der Ort ist dabei die Qualität der Information. Ich möchte nicht unterwegs erst lange untersuchen müssen, welche Dateien geändert wurden und warum das Deployment wahrscheinlich funktionieren könnte.
Agenda beziehungsweise Codex muss mir ausreichend klar zeigen können, was geändert wurde, welche Tests erfolgreich waren, welche Risiken bekannt sind und was genau beim Deployment passieren soll.
Erst danach entscheide ich.
Nach der Freigabe darf die eigentliche technische Durchführung wiederum automatisiert erfolgen, einschließlich der anschließenden Prüfung, ob die neue Version tatsächlich sauber läuft.
VPN und Smartphone sind nur die technische Voraussetzung
Der Zugriff von unterwegs ist dabei eigentlich der einfachste Teil.
Agenda soll aus Sicherheitsgründen nicht einfach öffentlich ohne Schutz erreichbar sein. Ein Zugriff über VPN ist für mich deshalb naheliegend, gerade wenn damit Entwicklungsaufgaben oder spätere produktive Freigaben gesteuert werden.
Das Smartphone wird dadurch zur kleinen Steuerzentrale.
Ich brauche dort keine vollständige Entwicklungsumgebung. Im Gegenteil: Wenn ich im Urlaub einen Terminal-Emulator, Quellcodeeditor und mehrere Administrationsoberflächen brauche, ist mein Konzept gescheitert.
Die Oberfläche sollte mir nur das zeigen, was ich für eine Entscheidung wirklich benötige.
Welche Aufgabe wartet?
Was soll sie tun?
Welche Voraussetzungen sind erfüllt?
Was ist bereits geprüft?
Gibt es Risiken oder offene Entscheidungen?
Freigeben oder nicht.
Mehr möchte ich dort eigentlich gar nicht machen müssen.
Die größte Gefahr ist, dass Arbeit dadurch überall verfügbar wird
Diese technische Möglichkeit hat allerdings eine unangenehme Kehrseite.
Wenn ich jederzeit vom Smartphone aus auf meine Arbeit zugreifen kann, bedeutet das nicht automatisch, dass ich mehr Freiheit habe. Es kann genauso dazu führen, dass ich ständig nachsehe, ob eine Aufgabe fertig geworden ist, welche Tests laufen oder ob Codex irgendwo blockiert wurde.
Dann habe ich den Laptop zwar zu Hause gelassen, die Arbeit aber trotzdem die ganze Zeit in der Hosentasche.
Deshalb gehört für mich auch eine organisatorische Grenze dazu.
Ein guter automatisierter Prozess sollte nicht meine Aufmerksamkeit möglichst häufig anfordern. Er sollte das Gegenteil tun.
Nur relevante Entscheidungen sollten überhaupt eine Meldung erzeugen. Alles andere darf warten oder selbstständig weiterlaufen.
Urlaub ist damit ein guter Härtetest für meinen gesamten Prozess
Für mich ist die Frage deshalb gar nicht nur, ob ich Aufgaben technisch von unterwegs starten kann.
Der eigentliche Test lautet:
Kann mein Entwicklungsprozess mehrere Stunden oder vielleicht sogar Tage laufen, ohne dass ich ständig eingreifen muss?
Wenn das nicht funktioniert, sind Spezifikationen, Aufgabensteuerung oder automatische Tests noch nicht gut genug.
Wenn es dagegen funktioniert, entsteht für mich als Einzelunternehmer ein echter Vorteil.
Nicht weil ich im Urlaub weiterarbeiten kann.
Sondern weil Arbeit weiterlaufen kann, obwohl ich gerade nicht wirklich arbeite.
Der beste Urlaub wäre trotzdem der ohne Agenda
Mein Ziel ist nicht, jeden Morgen am Strand erst einmal die Aufgabenliste zu öffnen.
Der ideale Urlaub wäre weiterhin der, in dem ich meine Arbeit auch einmal vollständig liegen lassen kann.
Aber Selbstständigkeit und laufende Projekte machen das nicht immer realistisch. Genau für diese Situationen möchte ich meinen Prozess so weit automatisieren, dass ein gelegentlicher kurzer Eingriff nicht automatisch bedeutet, wieder einen halben Arbeitstag am Rechner zu verbringen.
Wenn ich ein paar vorbereitete Aufgaben mit wenigen bewussten Freigaben weiterlaufen lassen kann und alles andere bis nach dem Urlaub warten darf, wäre das für mich bereits ein großer Fortschritt.
Die KI gibt mir dann nicht den Urlaub zurück, indem sie meine Verantwortung übernimmt.
Sie kann mir aber dabei helfen, dass diese Verantwortung nicht mehr automatisch bedeutet, überall meinen Laptop mitzunehmen.